So lebte das „einfache Volk“

Bei der Dresdner Familie Haubold gab es Ende des 19. Jahrhunderts Weihnachten, wie in vielen anderen Dresdner Familien, selbstgebackenen Stollen. „ Zum Stollenbacken gehörten  grundsätzlich feines Weizenmehl, beste Butter, Rosinen, süße und bittere Mandeln und Zucker. Wochen vor Weihnachten wurde das Mehl eingekauft. Mutter bezog es direkt von der Mühle. Die befand sich in einem von einem kleinen Wasserlauf durchzogen Gässchen im Westen Dresdens, ich glaube, in der Gerbergasse. An dem Einkauf war ich insofern beteiligt, als dass ich ein Handwägelchen zog, auf dem das Mehl in einem ziemlich großen Leinensack transportiert wurde….“  Dies ist nur eine Begebenheit aus dem Leben des kleinen Edwin, die der große Edwin Jahrzehnte später aufgeschrieben hat und die in dem Büchlein „In Kinderschuhen durch das alte Dresden“, herausgegeben von Günter Höhne, nachzulesen sind. Erzählt wird von Rüböl-Lampen und Gas-Glühlicht, von Pferdemark und Maiwuchs, vom Schweineschlachten in Ziegenhain, von der Dresdner Pferdeausstellung. Es sind lustige und besinnliche Episoden, die den Leser auf gelungenen Weise von einer behüteten Kindheit voller Abenteuer im alten Dresden erzählen. Vater Haubold baute Kutschen für gut betuchte Kunden, Mutter Haubold führte ein strenges Regime zwischen Butterfrau und Waschweibern, Zinkbadewanne und Spucknapf. Und Edwin und seine drei Geschwister erkundeten auf ihre Weise die historische Altstadt. Leider musste Edwin Haubold später erleben, wie sein Zuhause und die anderen schönen Orte seiner Kindheit in der Nacht vom 13. Zum 14. Februar 1945 in Schutt und Asche fielen.